Was gibt es Neues?

Glück ist nicht gleich Glück

Klee

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Auszug aus dem Theaterstück „Glück ist nicht gleich Glück“



Es ist der 24. Dezember, kurz vor dem Weihnachtsgottesdienst.

Ort der Handlung: Treppe vor der Kirche einer Großstadt. Es ist kalt und hat gerade geregnet.


[…]



Gudrun:

Eberhard, schau dir mal die Frau da drüben an. Das ist doch Frau Seitenweg. Oder war es Sieberweg...?

Eberhard:

Der Name ist irrelevant, Gudrun.

Gudrun:

Unterbrich mich nicht, Eberhard.

Eberhard:

Tut mir leid, Liebling.

Gudrun:

Jedenfalls ist das da die Alleinerziehende. Ich glaube ihr Mann hat sie verlassen. Kann ich total verstehen.

Eberhard:

Ach ja, die mit den Allüren. Denkt, sie kann tun was sie will und sich verhalten wie eine Diva.

Gudrun:

Sie trägt immer unpassende Kleidung, als wollte sie extra auffallen. Ich meine, wer trägt glitzernde Turnschuhe in der Kirche?! Und die Tochter...Ach Gott, die wird ja genauso werden.

Eberhard

Eine Schande sind diese Bürger.



(Frau Siebeweck kramt in ihrer Handtasche)



Frau Siebeweck (laut):

Oh Gott! Wo ist mein Portemonnaie?! Wie kann das sein? Das kann nicht sein! Das ist doch unmöglich! Es war doch gerade da.



(Frau Siebeck weint, verzweifelt)



[…]


Das Theaterstück „Glück ist nicht gleich Glück“ inszeniert realistisch wiedergegebene Eindrücke anhand kurzer und manchmal auch nachdenklich machender Episoden. Ort des Geschehens ist die Treppe der Kirche einer Großstadt, die damit zur öffentlichen Bühne wird. Hier, im engsten örtlichen und zeitlichen Rahmen, treffen die handelnden Personen an einem Weihnachtsabend aufeinander: ein Obdachloser mit Hund, ein Pfarrer, ein altes schrulliges Ehepaar und Frau Siebeweck, alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern. Zum Weihnachtsfest, das symbolisch für gelebte Nächstenliebe und die Suche des Menschen nach Glück und Sinn steht, begegnen sich für einen kurzen Augenblick verschiedene Lebensstile und Menschen, die nur teilweise von gegenseitigem Mitgefühl, Verständnis und Toleranz geprägt sind. Dramaturgisch gelungen ist die Setzung der Figuren: In der Einheit von Raum und Zeit sind alle gleichzeitig präsent - szenische Wortwechsel bringen die jeweiligen Figurengruppen ins Rampenlicht - und doch begegnen sie sich meist nicht wirklich, was kleine menschliche Dramen offenlegt.


Dass die Frage des Glücks eine ganz individuelle ist, zeichnet der Text in lebendig geschriebenen Dialogen und plastischen, teilweise bewusst karikativ überzogenen Figurendarstellungen nach. Und so spiegelt sich der versöhnliche Gedanke einer gerechten und friedlichen Welt auch im abschließenden Resümee des mittellosen Obdachlosen, das zugleich als Lebensphilosophie zu verstehen ist: „[…] ich habe dir doch gesagt, dass hier der beste Platz der Stadt ist. Wir haben alles, was wir brauchen.“


Lara, vielen Dank für dein gelungenes Theaterstück – wir gratulieren dir hiermit zum Drama-Preis der Mittelstufe!