Was gibt es Neues?

Schreib!wettbewerb am MGM 2019/20

Zu fast guter Letzt: Eindrücke aus Werkstatt

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„Auf Entdeckungsreise“

(von Johanna aus der Klassenstufe 5)

 

Plötzlich wachte Fynn auf. Wo war er? Ach so, im Flugzeug, auf einem blauen Sitz mit gemütlicher Lehne. Neben ihm saß seine Mutter und auf der anderen Seite des Ganges sein Vater, der Zeitung las. Er und seine Eltern waren auf dem Weg nach New York. Eine großartige Stadt. Fynn war gerade mal elf Jahre alt und schon sehr viel gereist. Für ihn war das normal. Nicht unbedingt nur, weil er das wollte, sondern auch, weil sein Vater ein wichtiger Geschäftsmann war. Er arbeitete viel und musste auch viel reisen. Deshalb flog manchmal, wenn Ferien waren, die ganze Familie mit an den Ort, an dem Fynns Vater gerade dringend gebraucht wurde.

 

Über neun Seiten entwickelt sich eine spannende Geschichte, die in beeindruckend durchgehaltener personaler Perspektive und ganz anders, als man es erwartet, die großen, scheinbar wichtigen Dinge ausspart, dafür aber gerade die scheinbar kleinen Dinge als wesentlich eindrücklich zur Geltung bringt.

 

„Ich + Du = wir“

(von Alice aus der Jahrgangsstufe 6)

 

Julia

Ich gehe jeden Tag mit dem Hund raus.

Jeden Tag sehe ich sie.

Sie steht da.

Sie steht einfach nur da und schaut.

[…]

Heute war etwas anders.

Heute sieht sie nicht so aufmerksam aus wie sonst.

Ihr Blick ist in der Ferne.

Ihr Blick ist verschwommen.

Es ist, als denke sie über etwas nach.

[…]

 

Antonia

Ich stehe jeden Tag hier und schaue den vielen Besitzern zu, die mit ihren Hunden rausgehen …

Jeden Tag sehe ich sie.

Sie läuft mit ihrem Hund vorbei.

Sie läuft einfach nur mit ihrem Hund vorbei.

[…]

Heute ist etwas anders.

Ich bin nicht so aufmerksam wie sonst.

Mein Blick ist in der Ferne.

Ich kann mich nicht konzentrieren.

Ich denke über etwas nach.

Über etwas, das ich verloren hatte.

Etwas, das mir wichtig war. […]

 

Ein in der Erzähltechnik durch und durch experimenteller Text, der aus zwei unterschiedlichen, gegeneinander gesetzten Perspektiven eine eindrückliche (anfängliche Nicht-)Begegnung inszeniert und den Leser packt!

 

„Sehnsucht nach Freiheit“

(von Tirza aus der Jahrgangsstufe 7)

 

Zum hundertsten Male steht man auf,

zum hundertsten Male nimmt der Tag seinen Lauf,

zum hundertsten Male fragt man sich,

bin ich eigentlich noch ich?

 

Sehnsucht nach Freiheit

Sehnsucht nach Raum

Sehnsucht nach Freundschaft

[…]

 

Ein eindrücklich reflektiertes Gedicht einer jungen Autorin, das den Leser anrührt, aufrüttelt, zum Nachdenken auffordert und ins Gespräch zieht, mit sich selbst, den Versen, dem lyrischen Ich …

 

 

Und zu guter Werkstatt-Letzt ein Auszug aus einem Text der Jahrgangsstufe 12, der dem Leser in eindrücklich essayistischer Form präsentisch-retrospektiv einen drastischen Eindruck prokrastinierend-prozesshaften Schreibens im medialen Zwiespalt souverän ironisch vor Augen führt:  Aus Gründen der sprachlichen Verträglichkeit und Zumutbarkeit wurde dieser Essay-Auszug für den hier doch öffentlichen Raum strengster Zensur (=[Piep!]) durch die Jury unterworfen;-)

 

„Diese Hitze. Diese schreckliche Hitze. Ich weiß, ich sollte etwas Produktives tun, etwas Sport machen oder in Physik die Themen nacharbeiten, die im Nebel des Unverständnisses verschwunden sind, oder … irgendwas. Meine [Piep!], ich muss echt was tun, es ist so verlockend, ich stehe jetzt auf und setz mich da jetzt hin, verdunkelt sind die Fenster eh schon, ich sollte mich also konzentrieren können, ich kann die [alte] Tinte auf dem Papier [noch] schmecken, die Lobeshymnen meiner Produktivität jubilieren hören. Oh, sieh einmal, …

>>>Reiß dich zusammen […], du wirst jetzt nicht, während du einen Text über deine Prokrastination von vor zwei Jahren schreibst, weiter prokrastinieren, also, wo war ich …<<<

Oh sieh einmal, das Kliemannsland …

>>>Den Kanal habe ich damals gefeiert, oder? [Piep!] drauf, ist jetzt nicht so wichtig, konzentrier dich darauf, den [Piep!] Text weiter abzutippen, du hast ihn doch schon vor dir liegen, du hast ihn ja schon vor zwei Jahren geschrieben, du musst nur noch kleine Fehler korrigieren, werd jetzt nicht noch auf einmal zu so nem Künstler […]<<<

Oh sieh mal, Doktor Froid hat gerade ein neues Video hochgeladen. Ich muss echt aus diesem Sitzsack, aus diesem vor Licht, Luft, Hitze abgeschirmten Zimmer […]

>>>[Piep!], was ist denn das für ne [Piep!] Mucke im Hintergrund, muss ich dringend vorspulen …           

                                                                        Ah, jetzt ist es besser<<<

[…]“

 

Lieber von uns anonymisierter Autor,

die Jury gratuliert dir zum Abitur und ist sich sicher, auch in Zukunft deine originelle und kreative Ader im Auge behalten können zu dürfen!