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Polenaustausch 2018

Polenaustausch 2018
Polenaustausch 2018

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POLENAUSTAUSCH 4.-11.10.2018 – EIN REISEBERICHT

 

Am Donnerstag flogen 17 Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 von Basel nach Polen. Mit phantastischer Alpensicht während des Fluges landeten wir schon 75 Minuten am Airport in Kraków, wo uns der dortige Deutschlehrer und Organisator Herr Lancyk bereits mit einem Bus erwartete. Nach weiteren 60 Minuten kamen wir in Rabka-Zdroj am Busbahnhof an, wo uns die polnischen Austauschschüler mit Ihren Familien bereits erwarteten. Alle SuS hatten zuvor per Mail oder Whatsapp Kontakt miteinander aufgenommen, sodass schon die erste Begegnung unglaublich herzlich mit Umarmungen wie bei guten alten Bekannten stattfand. Bei allen (bis auf eine kleine Ausnahme) klappte das Zusammensein wirklich völlig problemlos. Auch während der ganzen Woche durchmischten sich bei unseren Ausflügen deutsche und polnische Schüler in wechselnden Zusammensetzungen und abends wurde häufig gemeinsam etwas unternommen. Meist unterhielt man sich englisch, doch auch deutsch wurde gesprochen, da alle polnischen Schüler im dortigen Lyceum Ogolnoksztalcace im E. Romera Deutsch lernen und auch einige Eltern Deutsch sprachen.

 

Am Freitag hospitierten wir in verschiedenen Unterrichten im 3-jährigen Lyceum (Kl. 11-13), welches eine Art Oberstufenkolleg ist, das auf das polnische Abitur vorbereitet. Nach einem Spaziergang durch den Kurpark von „Bad Rabka“ lernten wir beim gemeinsamen Mittagessen die deftige polnische Küche kennen mit Sauerkraut, Kartoffelpürre, Würsten und viel Fleisch, dazu rote Beete, Karotten und Weißkohlsalat. Vorbei an der phantastischen Holzkirche aus dem Jahre 1608 im „Goralen“-Stil ging es anschließend zum gemeinsamen Malen in einem kleinen Heimatmuseum. Jeder konnte anschließend sein „Kunstwerk“ mit nach Hause nehmen. Eine hübsche gemeinsame Aktion, bei der viele Gespräche unter -einander stattfanden. Auch das Erlernen eines traditionellen polnischen Tanzes fand bei einigen großes Interesse. Fast schon wieder hungrig, ging es zum gemeinsamen Pizza essen, wovon 1/3 mit nach Hause genommen wurde, um es am Abend beim gemeinsamen Uno-Spielen zu verspeisen.

 

Am Samstag stand das polnische Wintersportzentrum Zakopane mit der herrlichen Hohen Tatra und anschließendem Besuch der größten Thermalbadanlage Terma Bukowina Tatrzańska mit seinen 12 Becken und 150 m langen Rutschenauf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein genossen viele die Aussicht vom Berg Gubalòwka (1.126 m) auf den „Schlafenden Ritter“ und die anderen zum Teil mit Schnee bedeckten Berge der Hohen Tatra.

 

Am Sonntag war „Familientag“, den viele mit Ihrer polnischen Familien in Krakau verbrachten, wo alle Geschäfte geöffnet hatten (1. und 3. Sonntag im Monat). Die Fahrt mit den kleinen und überfüllten Mercedes-Sprinter Bussen mit ca. 18 Sitzplätzen und so vielen Stehplätzen, dass man nicht umfallen konnte, war mit langen Staus kein reines Vergnügen, die Stadt dagegen schon! Aber auch ein Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes mit stets vollen Kirchen oder eine Bootstour im Nationalpark „Hohe Tatra“ fand bei einigen statt.

Montag war der schwierigste Programmpunkt zusammen mit den polnischen Schülerinnen und Schülern geplant: Besichtigung der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Fast 2 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr diese Stätte der unfassbaren Grausamkeiten des NS-Regimes, in der ca. 1,1, Millionen Menschen, davon 1 Millionen Juden ermordet wurden. Meist sprachlos, tief betroffen und nachdenklich folgten wir in zwei Gruppen den Führungen auf Deutsch und Englisch. Eine Gruppe israelischer Jugendlicher neben dem Güterwagon auf der berühmt-berüchtigten Laderampe im Vernichtungslager Birkenau war besonders bedrückend. Was sollte man den heutigen Menschen sagen? Ich bin überzeugt, dass wir alle nachhaltige Eindrücke von diesem Erlebnis mit nach Hause genommen haben.

Die alte Hauptstadt Polens Krakau (poln. Krakow) mit der 1364 gegründeten zweitältesten Universität nördlich der Alpen (nach Prag) war bei wiederum strahlendem Wetter dagegen am Dienstag ein urbanes Highlight unserer Reise. Nach Besichtigung des alten, im italienischen Renaissancestil erbauten Schlosses, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige, UNESCO Weltkulturerbe seit 1978 und nach hinduistischen Glauben, einer von 7 Kraftzentren auf der gesamten Erde. Um Punkt 12:00 Uhr hatten wir Gelegenheit den Trompeter vom Turm der Marienkirche zu hören, der zu jeder vollen Stunde die Melodie spielt, die im Jahre 1241die Bevölkerung Krakaus vor dem Angriff der Tartaren warnte und in dem Moment abbricht, als der Trompeter tödlich von einem Pfeil getroffen wurde. Krakau ist ein schön erhaltene, im Krieg nicht zerstörte Stadt, in der ca. 200 Tsd. Studenten leben, bei einer Einwohnerzahl von ca. 750 Tsd.; lebendig, jung, vielfältig mit reichem Kulturleben. Manche wagten sogar den Besuch eines Gruselkabinetts mit einem leibhaftigen Kettensägenmann, der selbst die abgebrühtesten Herrn in Angst und Schrecken versetzte. Mit den polnischen Schülern, die nach eigener Aussage mindestens einmal im Monat von Rabka nach Krakau fahren, gingen nun alle Schüler in kleinen Gruppen auf Erkundungstour durch die Stadt.

 

Am Mittwoch fuhren wir gemeinsam zum Salzbergwerk Wieliczka, einem der ältesten Salzbergwerke weltweit und ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe seit 1978. 70 bis 150 m tief unter der Erde sahen wir während der 3 ½ stündigen Führung nur einen kleinen Teil der gigantischen Stollenanlage mit seinen unglaublich riesigen Hallen, deren Wände, Reliefs und Skulpturen alle aus Steinsalz bestanden. Der ein oder andere ließ es sich nicht nehmen, an den Wänden den Salzgeschmack mit der Zunge zu kosten, so wie schon Goethe und Kopernikus, die dieses Bergwerk ebenfalls in früheren Jahren besucht hatten. Am Abend gab es bei mildem Wetter eine herrliche Abschiedsparty an einer Grillstelle im Park von Rabka.

Einige polnische Schülerinnen und Schüler verabschiedeten sich bereits am Donnerstagmorgen vom Busbahnhof in Rabka von uns, da sie in die Schule mussten oder wollten. Alle anderen fuhren mit Gepäck wieder nach Krakau, wo wir diesmal im legendären jüdischen Viertel Kasimiercz unterwegs waren. Jüdisches Leben wächst dort seit einigen Jahren wieder zu neuem Leben. Die restliche Zeit vor dem Abflug nach Basel verbrachten wir mit dem Einkauf von Souvenirs in der Altstadt, die wir bereits vom Dienstag kannten. Am späten Abend landeten wir wohlbehalten, voller wunderbarer Eindrücke von den Menschen, Städten und Landschaften wieder in Basel, bevor am nächsten Morgen um 7:50 Uhr die Schule uns in die Alltagswelt zurückholte. Da in der 2. Stunde die Studienfahrten 2019 vorgestellt wurden, war aber die nächste Reise am Horizont schon wieder erkennbar.

Dankbar für die großartige Gastfreundschaft unsere polnischen Gastgeber und die vielen erlebnisreichen Ausflüge, freuen wir uns alle auf den Gegenbesuch im April 2019.

 

Bildquellen: Eigenfoto