Was gibt es Neues?

Das kleine rosa Haus

Weltuntergang mit Teetässchen

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Entwicklungen kann man an Dingen erkennen. Die Unübersichtlichkeit der Welt, die Veränderungen der Zeit – diese eigentlich ungreifbaren Prozesse lassen sich häufig an Gegenständen ablesen. Sie zeigen uns, in welche Richtung es geht, beispielhaft und dennoch aussagekräftig. Pars pro toto würde der Lateiner dazu sagen („ein Teil steht für das Ganze“), „schau mer mal“ der Münchner. Ein Beispiel: Die Schüler heute können sich kaum vorstellen, wie früher ein Telefon aussah. Es war mit der Schnur fest an der Wand verbunden, Nachrichten verschickte man mit der Deutschen Bundespost und Fotos machte man mit Papas Kamera. Wie viel sich doch da in den letzten Jahren zum Besseren geändert hat!

Die Unübersichtlichkeit der Welt, die Veränderungen der Zeit zu bündeln – dazu eignet sich natürlich auch ganz hervorragend die Literatur. Und das geschieht auch in unserer wundervollen kurzen Geschichte „Das kleine rosa Haus“, die von Emma auf eindrucksvolle Weise geschrieben wurde. In der Geschichte wird der Leser abgeholt, an die Hand genommen, ganz freundlich willkommen geheißen: „Nehmen Sie sich einfach eine Tasse Kaffee, falls sie eher Teetrinker sind auch gerne Tee.“ Wer möchte da nicht länger verweilen? Aber der nette Plauderton kommt einher mit thematischer Tiefe, das Angebot zum Tee wird serviert mit der Aussicht auf die Apokalypse. Und die kommt – das ist hier fast schon meisterhaft gemacht – durch die Hintertür.

Der Leser wird eingeladen, sich ein Haus genauer anzuschauen - das Haus, das der Geschichte den Titel gibt. Und an der Geschichte des Hauses erkennen wir die Geschichte der Menschen, die Geschichte des Planeten, vielleicht auch die Geschichte von uns selbst, von uns mit unseren kleinen Fehlern und Sünden, wie möglicherweise in der Zeitung nicht die richtigen Artikel zu lesen und gleichzeitig den Müll in die falsche Tonne zu werfen.  Es soll nicht gespoilert werden, aber so viel sei verraten: Das Gras vor der Haustür wird nicht grüner und die Blumen werden nicht bunter.

Der Text wirft also die ganz großen Fragen auf: In was für einer Welt leben wir eigentlich? War´s früher schöner? Wie viele Tassen Tee sind wir vom Weltuntergang entfernt? Und was ist exemplarisch für die Entwicklung der Welt? Das Telefon? Oder das kleine rote Haus? Der Autorin Emma ist auf jeden Fall ein tolles Stück Literatur gelungen – die Jury des Schreibwettbewerbs schüttelt virtuell die Hand und gratuliert ganz herzlich. Wir hoffen, der Text ist für den einen oder anderen ein Anlass, im Urlaub ein gutes Buch zu lesen. Wie heißt es so schön im Lehrerzimmer: „Alles der Reihe nach. Erst die Sommerferien, dann der Weltuntergang.“